Mein Weg nach Deutschland

Es war am 1. Februar 2008, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam. Endlich, nach 10 Jahren des Versuchens, ging mein Traum, in Deutschland zu studieren, in Erfüllung. Durch das Programm „International Leadership Training – Verwaltungswissenschaftliches Fortbildungsprogramm an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer“ von InWEnt gGmbH habe ich das Glück gehabt, ein Aufbaustudium an der DHV Speyer aufnehmen zu können. Ich nahm davor drei Monate an einem Deutschkurs der Universität Mannheim teil und erwarb im Ergebnis ein DSH3-Sprachzeugnis. Nun durfte ich an der DHV richtig studieren.

Kurz zu meiner Person: Ich bin in Armenien geboren und aufgewachsen. Nach meinem Abitur habe ich Rechtswissenschaften an der Staatlichen Universität Jerewan studiert. Seit 2006 bin ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verfassungsgericht Armeniens tätig.

Zu Beginn des Aufbaustudiums an der DHV Speyer hatte ich konkrete Ziele, und zwar das Studium erfolgreich abzuschließen, während der Studienzeit mehr zu lernen, mehr zu wissen, insbesondere über den Grundrechtsschutz in Deutschland, weil meine Schwerpunkte beim VerfG mehr in diesem Bereich liegen.

Das VerfG hatte mir eine konkrete Aufgabe übergeben, ein Transferprojekt zur Verbesserung des Verfassungsbeschwerdeverfahrens in Armenien nach deutschem Vorbild zu erarbeiten. Dadurch wurde mir noch deutlicher, welche konkreten Ziele an der DHV Speyer durch mein Studium verfolgt werden sollten. Die DHV bot dazu geeignete Veranstaltungen. Während eines einmonatigen Praktikums beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe nach dem ersten Semester hatte ich die Möglichkeit, das deutsche Verfassungsbeschwerdeverfahren kennen zu lernen. Noch ein einmonatiges Praktikum habe ich am Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen absolviert.

Im Mai 2009 schloss ich mein Magisterstudium in Speyer erfolgreich ab, kehrte nach Armenien zurück und nahm meine Tätigkeit beim VerfG wieder auf. Die Zeit mit der InWEnt an der DHV in Speyer habe ich in sehr guter Erinnerung.

Ich kam nochmal Anfang Dezember 2009 für zwei Wochen nach Deutschland als Teilnehmer an der ersten GZT-Winterakademie „Rechtsdialog für Rechtstransformation“ an der Hertie School of Governance in Berlin.

Ende Juli vergangenen Jahres bin ich wieder nach Berlin zum Promotionsstudium gekommen und promoviere jetzt an der Humboldt-Universität zu Berlin bei Herrn Prof. Dr. Dr.h.c Ulrich Battis. Das Promotionsstudium ist diesmal dank der materiellen und insbesondere ideellen Unterstützung der Stiftung der Deutschen Wirtschaft möglich. Das Promotionsstudium mit Unterstützung von sdw bietet eine große Chance für mich, meine Kenntnisse im Bereich des Grundrechtsschutzes zu erweitern und sie später in meinem Heimatland weiter zu vermitteln. Der effektive Schutz der Grundrechte ist ein Kri­terium der Rei­fe der Zivilgesellschaft und der Herausbildung der demokratischen Ins­titute in dem oder je­nem Staat. In dieser Hinsicht stellt die Ver­fas­sungsbeschwerde, die das Objekt meiner Forschung ist, einer der effektivsten Me­cha­nismen des Grund­rechts­schutzes der modernen Zivil­ge­sel­lschaft vor Eingriffe der öf­fent­li­chen Gewalt dar. In der Republik Armenien ist die Aufgabe der Formierung eines wirksamen Sys­tems der Ver­fas­sungskontrolle von besonderer Bedeutung. Dies hängt vor allem mit den Prozessen der Neu­erung aller Rechtszweige sowie mit der Umdeutung und der neuen Wahrnehmung von Rechts­gütern zusammen. Aus diesem Grund kommt der Forschung der deutschen Verfassungsbeschwerde, die als Vorbild für viele Länder gedient hat, eine besondere Bedeutung zu. Damit hängt auch die Wahl meines Lernstandortes zusammen.

Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich meinen Lernstandort in Deutschland richtig gewählt habe. Nach meinem Magisterstudium kehrte ich in meine Heimat zurück. Der Lernstandort rief mich wieder nach Deutschland, wo ich auch promoviere. Bei der sdw und HU Berlin möchte ich mich ganz herzlich dafür bedanken, dass sie mir diese großartige Chance gegeben haben.

Während meiner Studienzeit habe ich berufliche und private Kontakte in Deutschland aufgebaut. Ich bin sehr froh, dass ich in Deutschland studieren durfte, dadurch habe ich zahlreiche Personen kennengelernt.

von Gor Hovhannisyan

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Über Hovhannisyan Gor

Doktorand an der HU Berlin